„Villa Hubertus“, BJ. 1917, Denkmalschutz

Umbau, Innenausbau und (teilenergetische) Sanierung einer Fabrikantenvilla,

Aufgabe: Die Fabrikantenvilla aus dem Jahre 1917 soll für den neuen Eigentümer – eine junge, vierköpfige Familie- umgebaut und neu interpretiert werden. Die Immobilie gilt als ortsbildprägend mit Bezug zur Marmagener Ortsgeschichte und steht unter Denkmalschutz, der sich nicht nur auf die äußere Erscheinung des Bauwerks bezieht, sondern auch auf Teile des Innenausbaus. Hier sind guterhaltene Eichevertäfelungen und eine aufwendig geführte Treppenanlage bis in das Dachgeschoss in den Entwurf für den Umbau zu integrieren.

Die Grundrissstruktur des flächenmäßig großen Hauses ist charakterisiert durch einen zentralen Raum am Treppenhaus (Eingangshalle EG, Diele im KG/OG/DG), der als Verteiler fungiert und von dem aus die anderen Räume der Etagen erschlossen werden. Für diesen innenliegenden Raum besteht hier die Anforderung, ein Licht- oder Beleuchtungskonzept zu entwickeln, das eine vollwertige Nutzung des Raumes zu Wohnzwecken ermöglicht. Die übrigen Raumzusammenhänge werden auf die aktuellen Nutzungswünsche des Bauherren bezogen und ggf. auch durch Eingriffe in die Bausubstanz neu definiert. Hierzu sind die im Vorentwurf geplanten Wand- oder Deckendurchbrüche, neue Fenster- und Türöffnungen auf die Statik des Hauses und die Anforderungen und die Vorgaben des Denkmalschutzes abzustimmen.

Der grundlegende Entwurfsansatz zum Umgang mit diesem beeindruckenden Landhaus im „Heimatstil“ (Definition der Denkmalbehörde) wird in einem respektvollen Umgang mit der denkmalwerten Bausubstanz liegen und einem gleichwertigen Bezug zur zeitgenössischen Architektur, dem Design und der Innenarchitektur. Die originale Bausubstanz – hier insbesondere die vorgesetzte Fachwerkfassade und die Sprossenfenster- wird fachgerecht saniert. Veränderungen an der Bausubstanz werden mit einem zeitgemäßen Gestaltungsansatz vorgenommen, ohne historisierende Attitüde.

Energetisches Konzept: Als Denkmal ist das Bauwerk von den Anforderungen der EnEV ausgenommen. Eine Fassadendämmung kommt auf Grund des Erscheinungsbildes nicht in Betracht; eine Innendämmung im Wohnbereich des EG scheidet ebenfalls wegen der historischen Wandvertäfelungen aus. Im Bereich des OG und des DG werden jedoch Wand- und Dachkonstruktionen mit einer neuen Innendämmung energetisch saniert, die auch die bereits vorhandenen, nicht fachgerecht eingebauten Vorwandschalen und Dachdämmungen aus den 90er Jahren ersetzen wird. Für diese Innendämmungen und der Dachdämmung unter der Schieferdeckung wird in einer hygrothermischen Simulationsberechnung die bauphysikalische Stimmigkeit der Bauteilaufbauten nachgewiesen werden. Zudem ist die Dämmung der obersten Geschossdecke über dem Dachgeschoss (DG I) zum nicht ausgebauten Speicher (DG II) geplant.

Die vorhandene Niedertemperatur-Ölheizung wird durch eine Gas-Brennwerttherme ersetzt werden. Auch der Einsatz von Geothermie unter Verwendung von Niedertemperaturheizkörpern ist generell möglich, entweder monovalent oder bivalent, mit einer kleineren Gas-Brennwerttherme zur Unterstützung der Heizung bei sehr niedrigen Aussentemperaturen oder für die Warmwassererzeugung. Eine Heizlastberechnung auf der Grundlage der Bauteilaufbauten aus der Bauaufnahme und der geplanten energetischen Sanierungsmaßnahmen wird für diese Entscheidung ausschlaggebend sein.

Sanierungskonzept: Die Sanierung der Fassade erfolgt in Absprache mit der Denkmalbehörde. Mittelfristig muss der filmbildende Fachwerkanstrich aus den 90er Jahren durch ein hochdiffusionsoffenes/offenporiges,  Anstrich- und  Farbsystem auf der Basis von    Leinöl/Standöl/Holzöl mit Mineral- oder Erdpigmenten ersetzt werden. Die teilweise sehr sanierungsbedürftigen Sprossenfenster inkl. der Fensterbankkonstruktion werden nach Möglichkeit im Zusammenhang mit der Fassadensanierung restauriert und instandgesetzt oder aber durch eine denkmalgerechte Neuanfertigung ersetzt werden.

Die Haustechnik wird komplett erneuert werden. Die Heizung (Wärmeerzeugung/Wärmeverteilung), die Sanitärinstallationen (Abwasser/Wasser) und die Elektroinstallationen sind frühestens auf dem Stand der 80er/90er Jahre bzw. sind deutlich älteren Datums und entsprechen in keiner Weise den heutigen Anforderungen. Auch muss prinzipiell mit dem Vorhandensein von Bleirohren im Wasserleitungssystem gerechnet werden.

Objektdaten:

  • Wohnfläche vor Umbau (EG/OG/DG) ca. 375m2
  • Nutzfläche (KG) vor Umbau ca. 150m2
  • Grundstücksgröße 4.200m2

Beauftragte Planungsleistungen nach HOAI: Lph 1-8

Beauftragte Besondere Leistungen:

  • Immobilienkaufberatung + Begleitung der Kaufabwicklung (Dokumentenrecherche)
  • Bauzustandsbericht
  • Bauaufnahme | Anfertigung von Bestandszeichnungen
  • Bauvoranfrage zur Abstimmung mit der Unteren / Oberen Denkmalbehörde

Planungsstand:

  • beauftragt 12/2017
  • Bauaufnahme | Anfertigung von Bestandszeichnungen 02/2018
  • Baugenehmigung 05/2018
  • Baubeginn 09/2018
  • Baufertigstellung + Bezug 03/2019